|
Der
Dickdarm (Colon) Am Übergang von Dünndarm zu Dickdarm befindet sich eine Art "Ventil", die Bauhinsche Klappe. Diese verhindert einen Rückfluss von bakterienhaltigem Dickdarminhalt in den normalerweise bakterienfreien Dünndarm. Der sich anschließende ca. 1 m lange Dickdarm hat einzig und allein die Aufgabe, dem Stuhlgang Flüssigkeit zu entziehen: täglich entleeren sich ca. 14 Liter Gesamtvolumen über die Bauhinsche Klappe in den Dickdarm, die dort auf das Volumen des täglichen Stuhlganges eindickt werden. Versagen diese Mechanismen der Stuhleindickung z. B. bei einer Dickdarmentzündung, so kommt es zu teilweise erheblichen Durchfällen. Die Dickdarmentzündungen sowie die Dickdarmpolypen und der Dickdarmkrebs (Coloncarcinom) sollen als wichtigste Erkrankung des Dickdarm besprochen werden. Auch das Reizdarmsyndrom wird vorgestellt. Ursachen für eine Dickdarmentzündung (Colitis) sind vielfältig. Neben einer Vielzahl bakterieller Infektionserkrankungen (Yersiniose, Salmonellose, Camphylobacter-Infektionen etc.) kommen nicht infektiöse Ursachen wie eine Colitis ulcerosa (siehe unten) oder auch sehr seltene Ursachen wie eine kollagene Colitis in Betracht. Die Diagnose stützt sich v.a. auf Gewebsuntersuchungen aus der Dickdarmschleimhaut (siehe Untersuchungen, Coloskopie) und auf Stuhluntersuchungen (Stuhlbakteriologie mit Keimnachweis). In den meisten Fällen bedürfen bakterielle Dickdarmentzündungen mit Durchfall keiner speziellen Therapie, sondern heilen spontan. Sind virale Infektionen Ursache von Durchfällen und Dickdarmentzündung, kann der Verlauf unter Umständen sehr langwierig sein (bis zu 3Monaten!). Eine spezielle Behandlung von Virusinfektionen mit Durchfallfolge gibt es nicht. Symptomatische Maßnahmen können die Beschwerden für den Betroffenen aber doch deutlich bessern. Als wichtigste nicht-infektiöse Erkrankung des Dickdarms gilt die Colitis ulcerosa besprochen werden. Diese Erkrankung ist den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zuzurechnen (siehe oben Dünndarm, Morbus Crohn). Zur Ursache der Erkrankung gilt das für den Morbus Crohn Gesagte (siehe dort). Im Gegensatz zum Crohn befällt die Colitis jedoch ausschließlich den Dickdarm. Das Ausmaß des Dickdarmbefalles ist jedoch sehr variabel: es können nur wenige Zentimeter des Enddarmes betroffen sein (Proktitis ulcerosa), aber auch weiter nach oben reichende Entzündungen unter Einschluß des S-Darmes (Proktosigmoiditis ulcerosa) oder des Descendens (Hemicolitis ulcerosa linksseits) kommen ebenso wie eine Erkrankung des gesamten Dickdarmes (Pancolitis ulcerosa) vor. Je stärker der Entzündungsgrad und je weiter unten im Dickdarm die Erkrankung angesiedelt ist, um so stärker und häufiger sind die Durchfälle. Die Diagnose wird durch das typische Erscheinungsbild bei der Coloskopie (siehe oben Untersuchungen) und durch die bei dieser Untersuchung gewonnenen Gewebeproben gestellt. Der wesentliche unterschied zum Morbus Crohn ist nicht nur der ausschließliche Befall des Dickdarmes (keine anderen Anteile des Magen-Darm-Traktes sind von einer Colitis ulcerosa befallen), sondern auch die Tatsache, dass die Entzündung sich nicht auf die gesamte Dickdarmschleimhaut erstreckt. Demzufolge sind Verengungen (Stenosen) und Ausbildungen von Fisteln (vergleiche Morbus Crohn, Dünndarm) als Komplikationen seltener. Meistens ist der Dickdarm kontinuierlich (beginnend im Enddarm) über eine mehr oder weniger lange Strecke nach oben hin befallen. Die Erkrankung hat ihren Namen von den bei der Untersuchung oft eindrucksvoll imponierenden, unter Umständen auch großen Geschwüren (Ulcera) in den befallenen Abschnitten. Sie sind in der Regel die Ursache für die blutigen Durchfälle. Auch die Colitis ulcerosa verläuft typischerweise in Schüben. Da ebensowenig wie für den Morbus Crohn eine ursächliche Therapie bekannt ist, kommen die gleichen Medikamente wie beim Morbus Crohn zum Einsatz (Mesalacin-Präparate als Basis-Therapie und Kortikoidpräparate als stärker wirksame, aber auch nebenwirkungsreichere Entzündungshemmer). Azathioprin ist als Langzeitbehandlung bei chronischem Verlauf in vielen Fällen notwendig und wirksam. Ständig werden neue medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten in großen Studien geprüft. Eine Chance für die Zukunft scheint die Gruppe der Immunmodulatoren zu bieten. Für die Wahl der Behandlung ist das Befallsmuster, das bei der Coloskopie festgestellt wird, sehr wichtig: bei Befall von Descendens, Sigma und Rektum sollte immer eine Zäpfchen- und/oder eine Einlaufbehandlung je nach Schwere der Erkrankung mit unterschiedlichen Wirkstoffen erfolgen. Diese ist alleine oft gut und ausreichend wirksam. Doch gerade bei diesem Befall unterer Darmabschnitte ist die Rezidivneigung (=das erneute Auftreten von Krankheitsaktivität) sehr hoch. Noch in stärkerem Maß als beim Morbus Crohn so ist bei der Colitis ulcerosa die Gefahr einer bösartigen Entartung durch die chronischen Entzündungsvorgänge gegeben. Je früher die Colitis auftritt und je länger sie besteht, umso größer ist die Gefahr. Es müssen daher regelmäßige coloskopische Vorsorgeuntersuchungen erfolgen. Zur Krebserkennung, die endoskopisch unter Umständen schwierig sein kann, sollte die Untersuchung nicht im akut-entzündlichem Schub, sondern im beschwerdearmen oder beschwerdefreien Intervall erfolgen. Die Deutsche Colitis-und Crohngesellschaft (DCCV) ist als Selbsthilfeorganisation für die betroffenen Colitis-(und Crohn) Patienten bundesweit tätig. Kontakte zu Selbsthilfegruppen im Raum Lübeck kann auf Anfrage vermittelt werden. Ernährungsgewohnheiten und erbliche Veranlagung sind in der Regel für die Ausbildung von Dickdarmpolypen (Colonadenomen) verantwortlich. Diese Colonadenome können - müssen aber keinesfalls - zu Dickdarmkrebs entarten. Etwa 8 % der Bevölkerung bildet Colonpolypen aus (in der Regel unbemerkt!). Die Entartung dieser Polypen zu Dickdarmkrebs ist zum einen von ihrer Größe, zum anderen von ihrer feingeweblichen Beschaffenheit (Histologie) abhängig. Dies schließt nicht aus, dass auch kleinste Colonpolypen bereits bösartige Krebszellen enthalten können (!). Es ist heute jedoch allgemein anerkannt, Colonpolypen, die größer als 1 cm sind, im Rahmen einer coloskopischen Untersuchung (siehe Untersuchungen, Abtragung von Colonpolypen) zu entfernen, um ihre Gewebsbeschaffenheit im Ganzen untersuchen zu können und um ihrer Entartung zu Krebs vorzubeugen. Die Untersuchung auf verborgenes Blut im Stuhl (Haemoccult-Test) stellt eine wichtige Vorsorgeuntersuchung dar und weist z. B. durch Colonpolypen bedingte, kleinste Spuren von Blut im Stuhl (mit dem bloßen Auge nicht sichtbar ) nach. Da Colonpolypen selbst bei erheblicher Größe meist keine Beschwerden verursachen und bösartig entarten können oder u.U. schon bösartige Zellen enthalten, ist diese Vorsorgeuntersuchung die wichtigste Früherkennungsmaßnahme! Patienten mit einem positiven Haemoccult sollten eine Coloskopie durchführen lassen. Gleiches gilt für Patienten, bei denen Angehörige ersten Grades (Geschwister, Eltern, Kinder) Colonpolypen oder bösartige Dickdarmerkrankungen haben. Bei der sehr seltenen, erblichen Polyposis coli, bei der über 100 Colonpolypen im Dickdarm vorhanden sind, ist immer die Notwendigkeit gegeben, den gesamten Dickdarm operativ zu entfernen, da bei dieser Erkrankung in allen Fällen Dickdarmkrebs zu erwarten ist! Der Dickdarmkrebs ist eine der häufigsten bösartigen Erkrankungen in Zivilisationsländern. Eine seltene Ursache ist die Colitis ulcerosa (siehe oben). Die Operation ist die wirksamste Behandlungsform für alle Formen von Dickdarmkrebs. Eine zusätzliche Chemo-Therapie kann angezeigt sein und in besonderen Fällen von Enddarmcarcinom auch die Bestrahlungstherapie. Sowohl nach Operation eines Dickdarmkrebses, bei der Teile des Dickdarms entfernt werden einschließlich aller Krebszellen und befallenen Lymphknoten, als auch nach Abtragung von Colonpolypen mit der Diathermieschlinge (siehe Untersuchungen, Abtragung von Colonpolypen) ist eine regelmäßige Nachsorge notwendig, um Neubildung von Dickdarmkrebs und Colonpolypen rechtszeitig erkennen und behandeln zu können. Die Häufigkeit hängt von der feingeweblichen Beschaffenheit der Colonpolypen bzw. vom Stadium des Dickdarmkrebses ab. Bei Dickdarmkrebs sollten die Nachsorgemaßnahmen auch weiterführende Untersuchungen beinhalten. Sollte es in seltenen Fällen erforderlich sein, dass vorübergehend oder andauernd ein künstlicher Darmausgang (Stoma) im Rahmen der operativen Behandlung von Dickdarmkrebs durch den Chirurgen angelegt werden muß, ist eine Hilfe durch die Selbsthilfeorganisation der Stomaträger gegeben. Reizdarmsyndrom
(Colon irritabile) Das Reizdarmsyndrom ist eine weitverbreitete, in ihren Ursachen aber noch nicht hinreichend bekannte Störung des Darmes. Es wird vermutet, dass eine Überempfindlichkeitsreaktion auf bestimmte Nahrungsmittel und auch auf Streß und Belastungssituationen zu Fehlsteuerungen der Darmtätigkeit führt (Motilitätsstörungen). Blähungen und Meteorismus, aufgetriebener Leib und unterschiedliches Stuhlverhalten (fester Stuhl im Wechsel mit Durchfallphasen) sind für diese Erkrankung typisch. Meist bestehen diese Beschwerden schon sehr lange Zeit (unter Umständen über Jahrzehnte), wobei sich Phasen subjektiven Wohlbefindens immer wieder mit Phasen von Beschwerden abwechseln. Sollten diätetische Maßnahmen nicht ausreichen, so können in Phasen mit Beschwerden Medikamente gegeben werden, die die Motilität des Darmes günstig beeinflussen. Oft ist eine vollständige Rückbildung der Beschwerden aber nicht möglich. Wichtige andere Erkrankungen (Sprue, Laktasemangel, Dickdarminfektionen etc.) müssen ebenso wie Dickdarmkrebs zuverlässig vor der endgültigen Diagnosen eines Colon irritabile ausgeschlossen werden. Pilzinfektionen spielen beim Reizdarmsyndrom keine gesicherte Rolle. Es sind derzeit auch keine Krankheitsbilder bekannt, die sicher auf eine Pilzbesiedlung durch z. B. Candida im Dickdarm zurückzuführen sind. |
|
|