Der Magen

Der Magen ist ausgekleidet mit einer Schleimhaut, die zum einen den Schleim zu ihrem eigenen Schutz bildet (damit der Magen von seiner selbst-produzierten Säure nicht geschädigt wird) und die zum anderen mit ihrem Schleim zu einer ausreichenden Verflüssigung und Durchmischung der Nahrung beiträgt. Diese Durchmischung der Nahrung wird auch durch die Muskelarbeit des Magens gewährleistet. Wesentliche Verdauungsvorgänge laufen im Magen noch nicht ab. Die Aufschlüsselung der Nahrung in ihre eigentlichen Bestandteile erfolgt komplett letztlich erst im Dünndarm (siehe dort). Auch erst dort werden die einzelnen Nahrungsbestandteile ins Blut aufgenommen. Flüssige Nahrung verbleibt ca. maximal 30-40 Minuten im Magen, feste Nahrung verbleibt maximal 1-1 ½ Stunden im Magen, u.U. auch noch länger, wenn sie unzureichend zerkleinert (unzureichend gekaut!) und/oder stark fetthaltig ist.

Die wichtigsten Erkrankungen des Magens sind die Magenschleimhautentzündung (Gastritis), das Magengeschwür (Ulcus ventriculi) und der Magenkrebs (Magencarcinom). Alle drei Erkrankungen können - müssen aber keinesfalls! - mit einer Infektion des Magens durch das Bakterium Helicobacter pylori in Zusammenhang stehen. Dieses Helicobacterbacterium ist in der Lage, in dem stark säurehaltigen Milieu des Magens zu überleben. Dieses schafft kein anderes Bakterium. Nahezu alle anderen mit der Nahrung aufgenommenen Bakterien, werden durch die Magensäure abgetötet. Im Hohlraum des Magens selbst stirbt auch der Helicobacterkeim. Es wird angenommen, dass besondere Bedingungen im Kindes- u. Jugendalter die Infektion mit Helicobacter pylori ermöglichen. Die Bakterien überleben dann unter der Schleimschicht, die die Magenschleimhaut bedeckt, in einer "Wolke" aus säurebindendem Ammoniak, mit der sie sich umgeben. Die körpereigene Abwehr schafft es im Gegensatz zu allen anderen bakteriellen Infektionen nicht, diese Infektion ausreichend zu bekämpfen und "zu heilen". Der Helicobacterkeim bleibt nach Infektion - meist im Kindes- u. Jugendalter - ein Leben lang unter der Schleimschicht der Magenschleimhaut vorhanden. Einige - keinesfalls alle! - Menschen, die mit Helicobacter pylori infiziert sind, werden auch krank durch diese Infektion. Die überwiegende Zahl der Magenschleimhautentzündungen werden durch eine Helicobacterinfektion ausgelöst (Gastritis Typ B). Es gibt auch andere Ursachen einer Magenschleimhautentzündung: so können vor allem bestimmte Medikamente (Aspirin u. andere Rheumamittel!) und auch Gallensäuren, die aus dem Dünndarm in den Magen zurückfließen, eine Magenschleimhautentzündung verursachen. Der betroffene Patient klagt oft Übelkeit, Schmerzen (vermehrt nach dem Essen) und unter Umständen auch nächtliche, krampfartige Beschwerden im Oberbauch. Nicht selten jedoch verursacht eine Magenschleimhautentzündung auch keinerlei Beschwerden. Eine Behandlung muß sich immer nach den auslösenden Ursachen richten. Eine Diät kann begleitend helfen.

Ein Magengeschwür (Ulcus ventriculi) lässt sich auf Grund der Beschwerden oft nicht ausreichend von einer Magenschleimhautentzündung unterscheiden. Auch die Ursachen sind oft dieselben: so wird ein Magengeschwür in etwa 70 % der Fälle durch die Schädigung der Schleimhaut in der Folge einer Helicobacter pylori-Infektion ausgelöst. Die Infektion bewirkt, dass der Zusammenhalt zwischen einzelnen Magenzellen gelockert wird. Diese Lockerung ermöglicht letztlich der Magensäure, in die Magenschleimhaut einzudringen und dort entweder eine Gastritis (Magenschleimhautentzündung s. oben) oder auch ein Magengeschwür auszulösen (=größere Zerstörung der Schleimhaut an einer Stelle). Letztlich kommt also das Magengeschwür durch die schädigende Wirkung der selbst produzierten Magensäure zustande. Nicht nur die Helicobacterinfektion, sondern auch die oben für die Magenschleimhautentzündung genannten Ursachen können verantwortlich sein für die Ausbildung eines Magengeschwürs. Letztlich jedoch ist immer die Magensäure der Faktor, der für die Schädigung der Magenschleimhaut und die Ausbildung eines Ulcus verantwortlich ist. Demzufolge kann auch die Blockierung der Magensäure durch wirksame Medikamente (Protonenpumpenhemmer) ein Magengeschwür zur Abheilung bringen. Wenn aber die auslösende Ursache - z.B. eine Helicobacter pylori-Infektion - nicht behandelt wird, wird in der weit aus überwiegenden Zahl der Fälle in Zukunft ein erneutes Magengeschwür auftreten. Wenn es bei Vorliegen eines Magengeschwürs gelingt, die Infektion mit Helicobacter pylori zu beweisen (relativ einfach durch eine Probe aus der Magenschleimhaut), so muß auch immer eine Bakterienbehandlung des Helicobacterkeims erfolgen. Diese Behandlung soll das Verschwinden des Helicobacterkeims im Magen bewirken (Eradikation). Da sich der Keim durch sein Besiedeln der Magengrübchen und der Bereiche unter der Magenschleimhaut der Wirkung von Antibiotika entziehen kann, bedarf es hierzu immer einer Kombinationsbehandlung aus mehreren Wirkstoffen. In den allermeisten Fällen (über 90 % Erfolgsrate) reicht eine Kombination aus einem Magensäureblocker (Protonenpumpenhemmer) und zwei verschiedenen Antibiotika über 8 Tage aus. Unter Umständen ist es sinnvoll, die Behandlung mit einem Protonenpumpenblocker noch eine gewisse Zeit weiter fortzuführen. Sowohl zur Diagnose eines Magengeschwürs als auch zu seiner Abheilungskontrolle ist immer eine Magenspiegelung erforderlich, da etwa 8 % aller Magengeschwüre bösartig sind (nur die Gewebeuntersuchung kann zuverlässig zwischen gutartigen und bösartigen Magengeschwüren unterscheiden!). Da eine Gewebeuntersuchung keine vollständige Sicherheit bietet (z.B. Probenentnahme aus einem noch nicht bösartig veränderten Magengeschwürsanteil), muß immer die vollständige Abheilung des Magengeschwürs durch eine Endoskopie belegt werden. Erst diese Untersuchung und die wiederholten Gewebsproben schließen ein bösartiges Krebsleiden des Magens aus.

Magengeschwüre können die gleichen Beschwerden verursachen wie eine Magenschleimhautentzündung (s.o.). Es gibt aber auch Magengeschwüre, die keinerlei Beschwerden bei den Betroffenen auslösen (etwa 10 % der Fälle!). Insbesondere der Magenkrebs verursacht typischerweise keine oder nur wenige u. unspezifische Beschwerden! Hier kann erst die Magenspiegelung und die Gewebeentnahme aus einem Magengeschwür (oft wiederholt notwendig!) die Krebsdiagnose sichern. Der Magenkrebs ist demzufolge nicht selten erst in fortgeschrittenen Stadien, in denen das bösartige Geschwür schon erheblich gewachsen ist und/oder eine Streuung von Krebszellen (Metastasierung) erfolgt ist, zu diagnostizieren. Die einzig wirksame Behandlung ist die operative Entfernung aller bösartigen Zellen! Medikamentöse Behandlung (Chemotherapie) und Bestrahlungen sind kaum bzw. nicht wirksam. Neben dem häufigsten Magenkrebs (Adenocarcinom), gibt es auch seltenere und sehr seltene Magenkrebsformen wie z.B. das Magenlymphom (und hier insbesondere das auf die Schleimhaut begrenzte MALT-Lymphom). Nur bei diesem letztgenannten, sehr seltenen Magenkrebs, ist eine sichere Auslösung durch Helicobacterinfektionen anzunehmen. Alle anderen Formen von Magenkrebs (insbesondere die häufigen) sind durch eine Helicobacterinfektion allenfalls mitbedingt und keinesfalls ausschließlich ausgelöst..