Arbeit und Lebenslust
hatten im alten Lübeck beide ihren gebührenden Anteil. Nicht zuletzt
waren es die Freuden der Tafel, denen sich die Hanseaten ausgiebig und
mit Ausdauer hingaben. Bereits im 18. Jahrhundert waren sie für Gastmähler
berühmt. Wo der "Gast bey einem sechsstündigem Mahle mit Essen und Trinken
wohlgepfropft wurde" (anonymer Reisebericht 1790). Man fröhnte dieser
Leidenschaft so intensiv, dass "man in großen Gesellschaften dem Mittagsmahle
ein gleich opulentes Abendessen folgen ließ, so, dass einstmals als
das erstere sich bis zu einer späten Abendstunde verlängert hatte, der
Hausherr seine Gäste allen Ernstes fragte: Wie ist`s, stehen wir ein
wenig auf oder essen wir durch?" Im Laufe des 19. Jahrhunderts mäßigte
man sich zwar etwas, aber noch gehörte eine drei- und vierstündige Mahlzeit
zur Tagesordnung.
Die schönste Schilderung
eines solch üppigen Essens hat wohl Thomas Mann in den Buddenbrooks
(1. Buch, Kapitel 4-7) gegeben. In unübertroffener Weise erfasste er
die Atmosphäre einer derartigen Gasterei mit folgender Charakteristik:
"Man saß auf hochlehnigen, schweren Stühlen, speiste mit schwerem Silbergerät
schwere, gute Sachen, trank schwere, gute Weine dazu und sagte seine
Meinung." Ort der Handlung bei Buddenbrooks war der Saal, so auch bei
den anderen wohlhabenden Bürgern.

Im Hause Königstr.
17 befindet sich der Saal des großherzoglich mecklenburg-strelitz'schen
Konsuls Peter Hinrich Rodde (1822-1891). Rodde, Angehöriger einer der
ältesten und vornehmsten Familien der Stadt, von Beruf Kaufmann, bewohnte
seit 1855 sein neuerbautes, stattliches Haus. Als Besonderheit war es
außen mit einem gusseisernen Balkon verziert, was noch nicht lange erlaubt
war, denn die alte Bauordnung verbot Vorsprung und Balkone. In dem festlich
geschmückten und stuckierten Saal, wo die Stühle nur von der Wand geholt
wurden, wenn in der Mitte die Tafel stand, dürfte so manche ausgelassene
Gesellschaft gefeiert haben.
Rodde war kein Kind
von Traurigkeit, vielmehr besaß er "ein fröhliches, heiteres Gemüth,
das im Verein mit der späteren Gunst der äußeren Lebensverhältnisse
den jetzt Verstorbenen früh zu einem beliebten Gesellschafter und zu
einem treuen Freunde und Helfer Vieler gemacht hat", heißt es in einem
Nachruf. So war er auch in der den gesellschaftlichen Zerstreuungen
gewidmeten Casino-Gesellschaft tätig, ebenso in der ähnlich gelagerten
"Harmonie" und bewahrte sich "bis an sein Lebensende den Sinn für das
Schöne, welchen er besonders in lebhaftestem Interesse für die Angelegenheiten
unserer Bühne stets bekundet hatte". Mit der Person des "Suiters" Peter
Döhlmann hat Thomas Mann in seinen Buddenbrooks Rodde ein literarisches
Denkmal gesetzt.
Würdigung des
Gebäudes