Historische Praxisräume im Hause Königstraße 17 zu Lübeck

 

Das Haus und seine Bewohner


Die älteste nachweisbare Bebauung datiert von Dreizehnhundert bis Vierzehnhundert im gotischen Stil. Das Haus wurde 1367-1377 vom Bürgermeister der Hansestadt Lübeck Jacob Pleskow bewohnt. Von 1816-1823 wurde es von der Thurn und Taxischen Post benutzt



Im Jahr 1854 ist das Haus vom Besitzer, Konsul Peter Hinrich Rodde neu erbaut worden auf den historischen und noch heute erhaltenen Kellergewölben des Mittelalters. Er bewohnte es bis zu seinem Tod 1891.

 

In den Jahren 1895-1900 befand sich hier die Frauengewerbeschule und kurze Zeit auch die Haushaltsschule. Seit 1910 wurde in den Räumen des Erdgeschosses ein orthopädisches Heilinstitut und eine orthopädisch-chirurgische Privatklinik betrieben (Der Chirurg und Betreiber Meier hieß bei den Lübeckern "Knochenmeier").

Die Fassade des Hauses stammt aus der Erneuerung des Jahres 1854. Auch der große Saal im 1. Stock - Zentrum unserer Praxis heute - stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Der Saal im Hause des Kaufmanns Peter Hinrich Rodde, Königstr. 17. (Fotografiert von H. Schwegerle, 1891) aus: Kommer, Bjoern "Wenn sich alte Türen öffnen" LN Verlag Lübeck, 1985 ISBN 3-87598-350-1)

   

Arbeit und Lebenslust hatten im alten Lübeck beide ihren gebührenden Anteil. Nicht zuletzt waren es die Freuden der Tafel, denen sich die Hanseaten ausgiebig und mit Ausdauer hingaben. Bereits im 18. Jahrhundert waren sie für Gastmähler berühmt. Wo der "Gast bey einem sechsstündigem Mahle mit Essen und Trinken wohlgepfropft wurde" (anonymer Reisebericht 1790). Man fröhnte dieser Leidenschaft so intensiv, dass "man in großen Gesellschaften dem Mittagsmahle ein gleich opulentes Abendessen folgen ließ, so, dass einstmals als das erstere sich bis zu einer späten Abendstunde verlängert hatte, der Hausherr seine Gäste allen Ernstes fragte: Wie ist`s, stehen wir ein wenig auf oder essen wir durch?" Im Laufe des 19. Jahrhunderts mäßigte man sich zwar etwas, aber noch gehörte eine drei- und vierstündige Mahlzeit zur Tagesordnung.

Die schönste Schilderung eines solch üppigen Essens hat wohl Thomas Mann in den Buddenbrooks (1. Buch, Kapitel 4-7) gegeben. In unübertroffener Weise erfasste er die Atmosphäre einer derartigen Gasterei mit folgender Charakteristik: "Man saß auf hochlehnigen, schweren Stühlen, speiste mit schwerem Silbergerät schwere, gute Sachen, trank schwere, gute Weine dazu und sagte seine Meinung." Ort der Handlung bei Buddenbrooks war der Saal, so auch bei den anderen wohlhabenden Bürgern.

Im Hause Königstr. 17 befindet sich der Saal des großherzoglich mecklenburg-strelitz'schen Konsuls Peter Hinrich Rodde (1822-1891). Rodde, Angehöriger einer der ältesten und vornehmsten Familien der Stadt, von Beruf Kaufmann, bewohnte seit 1855 sein neuerbautes, stattliches Haus. Als Besonderheit war es außen mit einem gusseisernen Balkon verziert, was noch nicht lange erlaubt war, denn die alte Bauordnung verbot Vorsprung und Balkone. In dem festlich geschmückten und stuckierten Saal, wo die Stühle nur von der Wand geholt wurden, wenn in der Mitte die Tafel stand, dürfte so manche ausgelassene Gesellschaft gefeiert haben.

Rodde war kein Kind von Traurigkeit, vielmehr besaß er "ein fröhliches, heiteres Gemüth, das im Verein mit der späteren Gunst der äußeren Lebensverhältnisse den jetzt Verstorbenen früh zu einem beliebten Gesellschafter und zu einem treuen Freunde und Helfer Vieler gemacht hat", heißt es in einem Nachruf. So war er auch in der den gesellschaftlichen Zerstreuungen gewidmeten Casino-Gesellschaft tätig, ebenso in der ähnlich gelagerten "Harmonie" und bewahrte sich "bis an sein Lebensende den Sinn für das Schöne, welchen er besonders in lebhaftestem Interesse für die Angelegenheiten unserer Bühne stets bekundet hatte". Mit der Person des "Suiters" Peter Döhlmann hat Thomas Mann in seinen Buddenbrooks Rodde ein literarisches Denkmal gesetzt.

 

Würdigung des Gebäudes

 

 

Das 1853/54 durch den Konsul und Kaufmann Rodde umgebaute Gebäude präsentiert sich mit einer außergewöhnlich aufwendig gestalteten Straßenfassade des Spätklassizismus. Sie ist gekennzeichnet durch ein rustiziertes Erdgeschoss und durchgehend gequaderte Obergeschosse. Das Hauptgeschoß wird an der Mittelachse von einem schmiedeeisernen Balkon geziert. Den Abschluß bildet ein vorspringendes Kranzgesims auf stuckierten Konsolen oberhalb eines dekorativen Rankenfrieses. Die Eingangstür ist original erhalten, zweiflügelig, in spätbiedermeierlichem Stil mit Glasfüllungen, die durch verzierte Eisengussgitter geschützt sind. Im Gegensatz zur ursprünglich erhaltenen Straßenfassade stören neuzeitliche Eingriffe an der Rückfassade und am Seitenflügel den Gesamteindruck dieses ehemals herrschaftlichen Hauses. Auf dem Hof gebührt dem Saalgebäude- vermutlich als Turnhalle des Orthopädenmeisters Dr. Meier errichtet- größere Beachtung.