Die Speiseröhre (Ösophagus)

Die Speiseröhre verläuft hinter der Luftröhre und transportiert die Nahrung vom Mund bis in den Eingang des Magens (Kardia). Bis auf die Zuführung von Flüssigkeit in Form von Schleim kommt der Speiseröhre keine wesentliche Verdauungsfunktion zu. Gegenüber dem Magen existiert ein Verschlussmechanismus. Dieser schließt mittels bindegewebigen und muskulären Strukturen die Speiseröhre konsequent gegenüber dem Magen ab und verhindert, dass ein Rückfluss von (sauren) Mageninhalt in die Speiseröhre stattfindet. Die Schleimhaut der Speiseröhre hat keine Schutzmechanismen, die eine Schädigung durch Magensäure verhindern, wie sie die Magenschleimhaut besitzt. Die häufigsten Erkrankungen der Speiseröhre sind dadurch bedingt, dass ein Defekt im Verschlussmechanismus den Rückfluss von sauren Mageninhalt in die Speiseröhre ermöglicht mit einer nachfolgenden Schädigung der Speiseröhrenschleimhaut (Ösophagitis). Wenn die bindegewebigen Strukturen des Verschlussmechanismus erschlaffen, kann es vorkommen, dass Teile des Magens sich nach oben in den Brustraum hinein verschieben. Es sind verschiedene Formen dieser Störungen bekannt (Zwerchfellbrüche, sog. Ösophagushernien). Bösartige Veränderungen des Ösophagus können zum einen in der Speiseröhrenschleimhaut selbst aus nicht eindeutig definierter Ursache entstehen (Ösophaguscarcinom) zum anderen aber auch durch den ständigen Säurerückfluss und die Schädigung der Speiseröhrenschleimhaut durch Magensäure bedingt sein (Barrett-Carcinom).Die genannten Erkrankungen der Speiseröhre sollen beschrieben werden.

Die Ösophagitis kann in der Folge einer Hernie (90 % der Fälle von Rückflussösophagitis) und ohne eine solche Hernie (10% der Fälle von Rückflussösophagitis) auftreten. Neben dieser sehr häufigen Ursache von Speiseröhrenentzündungen gibt es auch seltene Ursachen einer Ösophagitis wie z. B. Virusinfektionen oder Infektionen mit Candida-Pilzen. Die letztgenannten Ursachen sind unabhängig vom Säurerückfluss! Bei den sehr häufigen Säurerückflussentzündungen der Speiseröhre kann es zu Veränderungen im Bereich der Speiseröhrenschleimhaut kommen: die Speiseröhrenschleimhaut wandelt sich durch den ständigen Säurereiz um in eine Schleimhaut, die der Magenschleimhaut ähnlich ist und nicht mehr Speiseröhrenschleimhaut entspricht. Diese sogenannte Epithelmetaplasie birgt die Gefahr, dass in wenigen Fällen (ca. 7-10 % der Fälle!) im unteren Teil der Speiseröhre eine besondere Form des Speiseröhrenkrebses entstehen kann (Barrett-Carcinom). Daher ist eine regelmäßige endoskopische Überwachung dieses Bereiches notwendig, wenn die Umwandlung der Schleimhaut nachgewiesen wurde. Nur diese Histologie ist geeignet, zwischen (harmloser) Umwandlung der Schleimhaut und (gefährlicher) bösartiger Veränderung der Schleimhaut zu unterscheiden! Nicht sicher vorherzusagen ist, in wieweit nur kleine Schleimhautbezirke, die im Sinne dieser Epithelmetaplasie umgewandelt sind, ein Krebsrisiko darstellen. Für Epithelmetaplasien, die den gesamten Teil der unteren Speiseröhre betreffen (Barrett-Ösophagus) ist dieses in der genannten Prozentzahl zweifelsfrei bekannt. Eine Behandlung der säurebedingten Speiseröhrenentzündung (Refluxösophagitis) ist durch Säureblocker (Protonenpumpenhemmer) sehr gut möglich. Oft sind sehr niedrige Dosierungen dieser Medikamente ausreichend, in einigen Fällen sind größere Mengen, nur in wenigen Fällen sehr große Mengen dieser Medikamente erforderlich. Es wird vermutet, dass sich durch eine konsequente Behandlung, die Beschwerdefreiheit bedingt (Rückbildung des typischen Sodbrennens und des Schmerzes hinter dem Brustbein) auch das Krebsrisiko senken lässt. Da es sich um einen "mechanischen Defekt" handelt, der durch unzureichende Wirkung des Verschlussmechanismus den Säurerückfluss bedingt und die Refluxösophagitis unterhält, ist in den allermeisten Fällen nach Reduzierung oder Auslassen der Behandlung (Reduzierung der Protonenpumpenhemmerdosis) auch mit neuerlich auftretenden Rückflussbeschwerden (Sodbrennen, Schmerzen etc.) zu rechnen. Wie eine Bluthochdruckbehandlung, so ist die Behandlung der Refluxösophagitis in der Regel langfristig erforderlich.

Wenn es durch Defekt des Verschlussmechanismus zu einem größeren Vorfall von Magenschleimhaut in den Brustraum hinein kommt (Zwerchfellbruch, Ösophagushernie), so kann bei den Betroffenen oft der Rückfluss von aufgenommener Nahrung in die Speiseröhre (Regurgitation) eine deutliche Beeinträchtigung auslösen. Diese Beschwerden lassen sich nicht ohne Weiteres durch Blockierung der Magensäure bessern. Es ist in diesen Fällen eine operative Wiederherstellung des Verschlussmechanismus mit Besserung der Beschwerdesymptomatik (allerdings nicht in allen Fällen) möglich. Eine Entscheidung zur operativen Behandlung der Refluxösophagitis ist abhängig von den Verhältnissen im Einzelfall zu treffen.

Das Barrett-Carcinom in der Folge der Rückflussveränderungen hat in den letzten Jahren an Häufigkeit deutlich zugenommen. Neben dem Barrett-Carcinom, dass wie das Magencarcinom häufig ohne beeinträchtigende Beschwerden auftritt, kann auch ein Speiseröhrenkrebs (Ösophagus-Carcinom) unabhängig von Rückflusserkrankungen auftreten. Das rückflussunabhängige Speiseröhren-Carcinom (Plattenepithel-Carcinom des Ösophagus) ist in allen Anteilen der Speiseröhre möglich. Die Betroffenen (in der Mehrzahl Männer, nicht selten auch Patienten mit vermehrtem Alkoholkonsum) bemerken in der Regel nichts außer Schluckstörungen zunächst für flüssige, später auch für feste Nahrung. Das rückflussbedingte Speiseröhren-Carcinom lässt sich außer durch ein Operation (immer die Beste und sicherste Möglichkeit einer Heilung) mit Medikamenten (Chemo-Therapie) und Bestrahlung nicht immer ausreichend beeinflussen. Das Plattenepithel-Carcinom der Speiseröhre (nicht rückflussbedingtes Speiseröhren-Carcinom) zeigt ein besseres Ansprechen auf eine Bestrahlungs-Therapie. Auch bei diesem Carcinom jedoch stellt die Operation mit Entfernung der Krebszellen und mit einer Entfernung der befallenen Speiseröhrenanteile die am besten wirksamste Behandlungsmethode da. Da dieser Krebs oft spät erkannt wird, sind die Heilungsaussichten oft schlecht. Die Verfahren, mit denen Teile der Speiseröhre, die entfernt werden mussten, ersetzt werden können, sind unter Umständen sehr aufwendig und mit großen Operationen verbunden (daher nicht jedem Patienten zuzumuten!).