Gallenblase

Die häufigste Erkrankung dieses Systems sind die Gallensteine. Ein Ungleichgewicht zwischen Gallensäure und Cholesterin (als wichtigste Bestandteile der Gallenflüssigkeit) führt zu Bildung von Gallenblasensteinen. Oft ist auch ein erblich bedingte Neigung zur Gallensteinbildung von Bedeutung. In etwa 80 % der Fälle bleiben Gallensteine ohne Beschwerden für den Betroffenen. Sie bedürfen demzufolge auch keiner Therapie. In den übrigen 20% der Gallensteinträger treten Beschwerden auf; typischerweise Gallenkoliken. Diese Koliken kommen dadurch zustande, dass ein Gallenstein den Ausführgang der Gallenblase oder aber die Gallenwege verlegt. Mit seiner glatten Muskulatur versucht das Gallengangssystem diesen Stein durch Überaktivität „aus dem Weg zu drücken“: es kommt zur Kolik. Diese oft ganz plötzlich beginnenden heftigsten Schmerzen können oft nur mit meist starken, krampflösenden Mitteln unterbrochen werden.

Eine weitere Folge von Gallensteinen können Entzündungen sein. Diese betreffen sowohl die Gallenblase (Gallenblasenentzündung), als auch die ableitenden Gallenwege und sind durch Bakterien bedingt. Diese Bakterien vermehren sich vor allem dann, wenn die Gallenflüssigkeit nicht über ihren natürlichen Weg in den Zwölffingerdarm abfließt. Die Bakterien führen häufig dann auch zu chronischen Entzündungen in der Gallenblasenwand selbst. Im schlimmsten Falle bedingt die Gallenwegsentzündung eine Blutvergiftung (Cholangiosepsis) mit lebensbedrohlichen Folgen. Besonders gefährlich wird es dann, wenn die Einmündung des Gallengangs in den Zwölffingerdarm durch einen Stein verlegt ist. An gleicher Stelle im Zwölffingerdarm mündet auch der Ausführgang der Bauchspeicheldrüse. Es kommt also in diesem Fall auch zu einer Abflussbehinderung der Bauchspeicheldrüsenflüssigkeit. Dies ist die häufigste Ursache für eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung. Diese kann also unter Umständen als schwere Komplikation einer Gallengangverlegung durch Stein im untersten Teil hinzu treten. Um Steinbildung der Gallenwege überhaupt erst sicher erkennen zu können, ist es notwendig, die Gallenwege sichtbar zu machen. Eine sonographische Beurteilung der Gallenwege ist nicht immer eindeutig möglich. Alternativ stehen für die Beurteilung der Gallenwege die Endo-Sonographie (Kombination aus Endoskopie und Sonographie, siehe zum Verfahren auch spezielle Informationen unseres Gastroenterologenportals) und die MRCP (eine computertomographische Darstellung der Gallenwege) zur Verfügung.

Insbesondere aber im Fall eines Mündungsverschlusses durch Stein(e), aber auch wenn Gallensteine die lebernahen Anteile des Gallengangssystems verlegen, muss durch eine Erweiterung des Ausführganges von Seiten des Zwölffingerdarms her mit einem elektrischen Messer (Papillotomie) der Abfluss ermöglicht werden. Auch können Steine in den Gallenwegen durch eine solche Erweiterung entfernt werden. Es wird hierzu über ein Endoskop, dessen Ende vor dem Ausführgang des Gallengangssystems im Zwölffingerdarm zu liegen kommt, mittels eines kleinen Schlauchs Kontrastmittel in das Gangsystem gespritzt. Es kommt dann sowohl zur Darstellung des Gallengangssystems als auch des Bauchspeicheldrüsengangssystems (beide münden ja an der gleichen Stelle). Dieses Verfahren wird ERCP genannt (endoskopisch retrograde Cholangiopankreaticographie). Anschließend wird eine Röntgenaufnahme angefertigt. Auf dieser Aufnahme stellen sich die zuvor nicht sichtbaren Gangsysteme (Gallenwege und auch Bauchspeicheldrüsengangsystem) durch das jetzt in ihnen enthaltene Kontrastmittel dar: Engstellen, Steinverlegung und/oder Tumorbildung werden erkennbar und können uU auch erfolgreich behandelt werden durch das Endoskop.

Auch im Bereich der Gallengangssysteme gibt es autoimmune Erkrankungen, wie bei der Leber beschrieben. Diese Erkrankungen sind selten. Sie werden ebenfalls nach Maßgabe der im Blut zu bestimmenden Antikörper unterschieden. Eine Form der autoimmunen Gallengangsentzündung (die primär sklerosierende Cholangitis, PSC) ist eine mögliche Begleiterkrankung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie der Colitits ulcerosa, seltener auch des Morbus Crohn. Auch diese Erkrankungen bedürfen einer dauernden Behandlung. Einzig wirksame Maßnahme bisher ist die Gabe von Gallensäuren, die den durch die chronischen Entzündungsvorgänge oft gestörten Abfluss im Gangssystem verbessern. Nur dadurch (rechtzeitig eingesetzt und langjährig eingenommen) kann die unbehandelt drohende Ausbildung einer Leberzirrhose und/oder eines Gallengangskarzinoms verhindert oder verzögert werden. In der Gallenblase entwickeln sich ansonsten i.d.R. nur bei chronischem Steinleiden (zB bei 3 cm großen <oder größeren> Steinen oder bei chronisch-kalkbildenden Wandentzündungen <=„Porzellangallenblase“>) in seltenen Fällen Krebsgeschwüre aus.

Spezielle Informationen zur Endoskopie von Gallenwegen und Bauchspeicheldrüse erhalten Sie über die speziellen Seiten unseres Gastroenterologenportals!

Letzte Aktualisierung der Seite vom 18.02.2011