Magengeschwür

Ein Magengeschwür (Ulcus ventriculi) lässt sich auf Grund der Beschwerden oft nicht ausreichend von einer Magenschleimhautentzündung unterscheiden, stellt aber immer eine tiefer gehende Schädigung der Magenschleimhaut mit einem umschriebenen „Defekt“ dar. Die Ursachen sind oft dieselben wie bei der Gastritis: so wird ein Magengeschwür in etwa 70 % der Fälle durch die Schädigung der Schleimhaut in der Folge einer Helicobacter-pylori-Infektion begünstigt. Die Infektion bewirkt, dass der Zusammenhalt zwischen einzelnen Schleimhautzellen gelockert wird. Diese Lockerung ermöglicht letztlich der Magensäure, in die Magenschleimhaut einzudringen und dort entweder eine Gastritis (Magenschleimhautentzündung s. dort) oder auch ein Magengeschwür auszulösen (= tiefere Zerstörung der Schleimhaut an einer umschriebenen Stelle).

Letztlich kommt also das Magengeschwür durch die schädigende Wirkung der selbst produzierten Magensäure zustande. Nicht nur die Helicobacterinfektion, sondern auch die oben für die Magenschleimhautentzündung genannten Ursachen können verantwortlich sein für die Ausbildung eines Magengeschwürs. Letztlich jedoch ist immer die Magensäure der Faktor, der für die Schädigung der Magenschleimhaut und die Ausbildung eines Ulcus verantwortlich ist. Demzufolge kann auch die Blockierung der Magensäure durch wirksame Medikamente (Protonenpumpenhemmer) ein Magengeschwür zur Abheilung bringen. Wenn aber die auslösende Ursache – z.B. eine Helicobacter pylori-Infektion – nicht behandelt wird, kommt es in der weitaus überwiegenden Zahl der Fälle in Zukunft zu einem erneuten Magengeschwür (Rezidiv ohne Helicobatertherapie). Wenn es bei Vorliegen eines Magengeschwürs gelingt, die Infektion mit Helicobacter pylori zu beweisen (relativ einfach durch eine Probe aus der Magenschleimhaut), so muß auch immer eine Bakterienbehandlung des Helicobacterkeims erfolgen.

Eine Behandlung soll das Verschwinden des Helicobacterkeims im Magen bewirken (= Eradikation), wenn er denn in der Gewebeunteruchung oder im Schnelltest nachweibar war. Da sich der Keim durch Besiedeln der Magengrübchen und der Bereiche unter dem Magenschleim der Wirkung von Antibiotika entziehen kann, bedarf es hierzu immer einer Kombinationsbehandlung aus mehreren Wirkstoffen. In den allermeisten Fällen (über 90 % Erfolgsrate) reicht eine Kombination aus einem Magensäureblocker (Protonenpumpenhemmer) und zwei verschiedenen Antibiotika über 8 Tage aus. Unter Umständen ist es sinnvoll, die Behandlung mit einem Protonenpumpenblocker noch eine gewisse Zeit weiter fortzuführen. Sowohl zur Diagnose eines Magengeschwürs als auch zu seiner Abheilungskontrolle ist immer eine Magenspiegelung erforderlich, da etwa 8 % aller Magengeschwüre bösartig sind (nur die Gewebeuntersuchung kann zuverlässig zwischen gutartigen und bösartigen Magengeschwüren unterscheiden!). Da eine Gewebeuntersuchung keine vollständige Sicherheit bietet (z.B. Probenentnahme aus einem noch nicht bösartig veränderten Magengeschwürsanteil), muß immer die vollständige Abheilung des Magengeschwürs durch eine Endoskopie belegt werden. Erst diese Untersuchung und die wiederholten Gewebsproben schließen ein bösartiges Krebsleiden des Magens aus.

Magengeschwüre können die gleichen Beschwerden verursachen wie eine Magenschleimhautentzündung (s.o.). Es gibt aber auch Magengeschwüre, die keinerlei Beschwerden bei den Betroffenen auslösen (etwa 10 % der Fälle!). Auf der anderen Seite können symptonatische genaus wie nicht-symptomatische Geschwüre Komplikationen bedingen, vor allem die Magenblutung!
2