Morbus Crohn

Der Morbus Crohn zählt zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Er befällt vor allem den Dünndarm in seinen unteren Anteil, kann aber in allen Anteilen des Verdauungstraktes von der Mundhöhle bis zum Enddarm (Speiseröhre, Magen, oberer Dünndarm, unterer Dünndarm, Dickdarm und Enddarm) auftreten.

Die eigentlichen Ursachen dieser chronischen Entzündung sind nicht bekannt. Vermutet werden „Autoimmunmechanismen“: bestimmte Anteile des Magen-Darmtraktes (vor allem des unteren Dünndarms) werden vom körpereigenen Abwehrsystem nicht mehr als körpereigen erkannt, und es kommt zu Abwehrreaktionen mit einer „Abstoßungsreaktion“ des betroffenen Darmabschnitts. Eine erblich bedingte Fehlsteuerung des Abwehrsystems hat sicher große Bedeutung. Eventuell spielt auch das Fehlen körpereigener „Antibiotika“ eine Rolle (sogenannter Defensine), die den Darm vor einer Schädigung durch die in ihm vorhandenen Bakterien schützen. Die Fehlsteuerung des Abwehrsystems bedingt, dass das körpereigene Abwehsystem (Immunsystem) eigene Anteile des Dünndarms „angreift“, was eie Entzündungsreaktion auslöst und unterhält; die Folgen sind Geschwüre, sowie akute und auch chronische narbenbildende Entzündungen in diesen Darmabschnitten. Warum diese Entzündungsreaktionen in Schüben verlaufen, ist unbekannt.

Bei der Endoskopie sind die Folgen der Entzündungsreaktion sichtbar: typischerweise kleine, an Aphten erinnernde entzündete Schleimhautareale, aber auch große, in der feingeweblichen Untersuchung die gesamte Schleimhaut durchsetzende, geschwürige Entzündungen. Typischerweise sind immer einzelne Segmente des Magen-Darmtrakts betroffen, die nicht immer hintereinander liegen, sondern an ganz unterschiedlichen Stellen im Verdauungstrakt gleichzeitig vorhanden sein können. Typisch ist (bei ca 70% der Betroffenen) eine Entzündung am Übergang vom Dünndarm zum Dickdarm. Neben Verengungen (Stenosen) in den betroffenen Abschnitten sind als Komplikationen auch Fisteln (durch die Darmwand in andere Organe oder aber bis zur Bauchdecke sich fortsetzende Entzündungsreaktionen) mit Fistelgängen oder Abszessen (Höhlen mit Entzündungssekret) vorhanden. Die Ausprägung und das Ausmaß der Entzündung sind im Einzelfall sehr unterschiedlich. So können uU nur leichte Beschwerden und kaum merkliche Entzündungsreaktionen unterschwellig vorhanden sein. In schweren Fällen sind aber hochakute, immer wiederkehrende und mit Verengungen (Stenosen) und Fisteln imponierende schwere Entzündungsreaktionen möglich. Wie bei der Colitis ulcerosa ist – wenn auch seltener – eine bösartige Entartung dieser Erkrankung möglich.

Da die Ursachen dieser Erkrankung nicht bekannt sind, ist eine Behandlung der Ursachen auch nicht möglich. Nur die Entzündungsreaktion als solche kann – dem Ausmaß der Beschwerden und dem Ausmaß des Befalls angepasst – behandelt werden. Die Behandlung ist oft ähnlich der Behandlung der Colitis ulcerosa ( -> s. Dickdarm) und dort ausführlicher beschrieben. So ist eine Behandlung mit leichten entzündungshemmenden Medikamenten unter Umständen ausreichend bei einem nur leichten Schub (Mesalazin-Präparate). Eine Behandlung mit nebenwirkungsintensiveren, entzündungshemmenden und die Immunreaktion bremsenden Medikamenten ist oft unumgänglich: zu nennen sind hier vor allem Cortison-Präparationen und Azathioprin, neuerdings in schweren Fällen auch Antikörper gegen Entzündungsmediatoren (anti-TNF alpha, s. -> Colon, Colitis ulcerosa). Diese eingreifenden Behandlungsmaßnahmen müssen in ihrem Erfolg und auch zur Vermeidung ihrer Nebenwirkungen regelmäßig kontrolliert werden. Der Crohn-Patient ist – dem natürlichen, nicht vorhersagbaren Verlauf seiner Erkrankung entsprechend – immer wieder kontroll- und behandlungspflichtig.

Die Deutsche Colitis- und Crohngesellschaft (DCCV) ist als Selbsthilfeorganisation für die Betroffenen ein kompetenter Ansprechpartner mit einer ausgezeichneten Website!
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