Organpunktionen

(Gewebeentnahme aus Organen des Bauchraumes oder aus der Schilddrüse)

Um z.B. Gewebe der Leber mit einer ausreichenden Sicherheit (z.B. bei der Hepatitis-Diagnostik) untersuchen zu können, ist eine sogenannte „Leberblindpunktion“ erforderlich. Das Verfahren bedingt die Gefahr von Organ- oder Gefäßverletzungen in ca 1 % der Fälle. Die Untersuchung wird daher in der Regel in der Klinik erfolgen und Sie müssen zur Beobachtung und Nachkontrolle im Tagesverlauf in der Klinik bleiben.

Zur Technik: erst wird mit der Ultraschalluntersuchung überprüft, welche Stelle am günstigsten für die Punktion geeignet ist. Dann wird dort zwischen den Rippen der rechten Brustkorbseite eine Betäubung mit einer kleinen Spritze gesetzt. Durch eine kleine, mit dem Skalpell geschaffene Öffnung wird dann eine Nadel in die Leber vorgebracht, wobei Ihre Mithilfe erforderlich ist durch kontrolliertes Atmen wie es dann angesagt wird. Die Hohlnadel wird herausgezogen und enthält dann einen kleinen Zylinder von Lebergewebe, der zur Untersuchung (Histologie) benötigt wird.

Mit wesentlich geringerem Risiko lassen sich einzelne Zellen (keine ganzen Gewebestückchen) entnehmen (Zytologie). Die hierzu verwendete Nadel ist nicht dicker oder größer, sondern nur länger als die Nadel, die Ihnen von der Blutentnahme bekannt ist. Selbst bei der versehentlichen Punktion eines Bauchgefäßes besteht in diesem Fall praktisch kein Blutungsrisiko, da sich Blutgefäße nach Verletzung mit einer derart dünnen Nadel spontan wieder schließen. Hier ist lediglich – wie bei der Leberblindpunktion auch – die Möglichkeit vorhanden, dass Bakterien von außen in den Bauchraum gelangen, was aber ebenfalls eine ausgesprochen seltene Komplikation darstellt.

Je nach dem angestrebten Ergebnis und dem individuellen Risiko wird entschieden, welche Methode eingesetzt wird: Histologie oder Zytologie. Es können im Bauchraum mit Hilfe der Zytologie z.B. Veränderungen der Leber, der Bauchspeicheldrüse u. der Lymphknoten des Bauchraumes untersucht werden. Besonders geeignet für eine Entnahme einzelner Zellen ist wegen der guten Zugänglichkeit die Schilddrüse. Das Verfahren ist das gleiche wie oben beschrieben für die Entnahme einzelner Zellen aus Organen des Bauchraumes. Meistens erfolgen diese Gewebe/Zellentnahmen, um entscheiden zu können, ob es sich bei einem Organbefund um eine bösartige Veränderung handelt, oder aber ob diese Veränderung harmlos ist.

Auch ein unauffälliger Befund gibt nicht immer vollständige Sicherheit, dass kein bösartiger Prozess vorliegt. Mit der Entnahme einzelner Zellen, unter Umständen auch mit der Entnahme von Gewebezylindern, wird ja immer nur ein Teil der gesehenen Veränderung, nie die ganze Veränderung untersucht.

Die Gewebeentnahme aus unklaren Schilddrüsenveränderungen erfolgt idR mit dünnen Nadeln wie oben beschrieben (s. Zytologie ; Schilddrüsenpunktion). Bei zytologisch unklaren Befunden ist es unter Umständen notwendig, einen ganzen Knoten oder aber einen Teil der Schilddrüse zu entfernen, um 100 %ige Sicherheit bezüglich der Gutartigkeit der Veränderung zu erlangen. Auch bei der Schilddrüse dient sie Sonographie – wie bei allen anderen Punktionen – dazu, den zu untersuchenden Befund zielgenau zu treffen (sonographisch gesteuerte Punktion).