Reflux und Ösophagitis

Die Refluxösophagitis als Rückflußentzündung der Speiseröhre durch sauren Magensaft kann in der Folge einer Hernie (90 % der Fälle von Refluxösophagitis) und ohne eine solche Hernie (10% der Fälle von Rückflussösophagitis) auftreten. Neben dieser sehr häufigen Ursache von Speiseröhrenentzündungen gibt es auch seltene Ursachen einer Ösophagitis wie z. B. Virusinfektionen oder Infektionen mit Candida-Pilzen. Auch eine allergische Reaktion zB durch Nahrungsbestandteile kann selten eine Ösophagitis auslösen (eosinophile Ösophagitis). Die letztgenannten Ursachen sind unabhängig vom Säurerückfluss! Bei ca 10% der Fälle von Säurerückflussentzündungen entstehen auch besondere Veränderungen im unteren Bereich der Speiseröhrenschleimhaut, die der Magenschleimhaut ähnlich sind und nicht mehr Speiseröhrenschleimhaut entsprechen. Diese sogenannte Epithelmetaplasie (Barrett-Epithel) birgt die Gefahr, dass in wenigen Fällen (ca. 7-10 % der Pat. mit Barrett-Epithel) im unteren Teil der Speiseröhre eine besondere Form des Speiseröhrenkrebses entstehen kann: das Barrett-Carcinom. Daher ist eine regelmäßige endoskopische Überwachung von Pat. mit diesen Risikoveränderungen notwendig. Es kommen diese Barrett-Veränderungen auch ohne eine begleitende Refluxösophagitis vor. Nur eine Gewebeprobe ist geeignet, zwischen (harmloser) Umwandlung der Schleimhaut und (gefährlicher) bösartiger Veränderung der Schleimhaut zu unterscheiden! Nicht sicher vorherzusagen ist, in wieweit nur kleine Schleimhautbezirke, die im Sinne dieser Epithelmetaplasie umgewandelt sind, ein Krebsrisiko darstellen. Für Epithelmetaplasien, die den gesamten Teil der unteren Speiseröhre betreffen (Barrett-Ösophagus) ist dieses Risiko unstrittig.

Eine Behandlung der säurebedingten Speiseröhrenentzündung (Refluxösophagitis) ist durch Säureblocker (Protonenpumpenhemmer) sehr gut möglich, die die Bildung der Magensäure (nicht den Rückfluss) reduzieren. Oft sind sehr niedrige Dosierungen dieser Medikamente ausreichend, in einigen Fällen sind höhere und sehr selten sehr hohe Dosen dieser Medikamente erforderlich. Dann fließt zwar immer noch Magensaft zurück in die Speiseröhre, dieser ist aber nicht mehr sauer rund schädigt die Speisröhre daher nicht mehr! Es wird vermutet, dass sich durch eine konsequente Behandlung, die Beschwerdefreiheit bedingt (Rückbildung des typischen Sodbrennens und des Schmerzes hinter dem Brustbein) auch das Krebsrisiko bei Barrett-Patienten senken lässt ; nachgewiesen ist das bisher nicht. Da bei der Rückflusskrankheit ein „mechanischern Defekt“ vorliegt (s.o.), der durch unzureichende Wirkung des Verschlussmechanismus den Säurerückfluss bedingt und die Refluxösophagitis unterhält, ist in den allermeisten Fällen nach Reduzierung oder Auslassen der Behandlung (Reduzierung der Protonenpumpenhemmerdosis) auch mit neuerlich auftretenden Rückflussbeschwerden (Sodbrennen, Schmerzen etc.) zu rechnen. Wie eine Bluthochdruckbehandlung, so ist die Behandlung der Refluxösophagitis daher in der Regel oft langfristig erforderlich.

Wenn es durch Defekt des Verschlussmechanismus zu einem größeren Vorfall von Magenschleimhaut in den Brustraum hinein kommt (Zwerchfellbruch, Ösophagushernie), so löst bei den Betroffenen oft der Rückfluss von aufgenommenen Nahrungsbestandteilen aus dem Magen in die Speiseröhre (Regurgitation) eine deutliche Beeinträchtigung auslösen. Diese Beschwerden lassen sich nicht ohne Weiteres durch Blockierung der Magensäurebildung bessern. Es ist in diesen Fällen eine operative Wiederherstellung des Verschlussmechanismus mit Besserung der Beschwerdesymptomatik (allerdings nicht in allen Fällen) möglich. Eine Entscheidung zur operativen Behandlung der Refluxösophagitis ist abhängig von den Verhältnissen im Einzelfall zu treffen.
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