Reizdarmsyndom

Das Reizdarmsyndrom (Colon irritabile) ist eine weitverbreitete, in ihren Ursachen aber noch nicht hinreichend geklärte Störung des Darmes. Das Beschwerdebild ist vielfältig und variabel. Typisch sind zB krampfartige Schmerzen, die sich nach dem oft durchfälligen Stuhlgang bessern (Tenesmen), wechselnde Stuhlfrequenz und Stuhlkonsistenz, Darmgeräusche, das Gefühl der inkompletten Stuhlentleerung und ein ständige Blähbauch- und Völlegefühl. Auch Formen mit eine chronischen Verstopfung kommen vor. Meist bestehen alle Beschwerden schon sehr lange Zeit (unter Umständen über Jahrzehnte), wobei sich in typischerweise Phasen subjektiven Wohlbefindens immer wieder mit Phasen von Beschwerden abwechseln. Nicht typisch für ein Reizdarmsyndrom sind Blut im Stuhl, Gewichtsverlust, Auffälligkeiten in den Laborbefunden oder nächtliche Beschwerden, die idR eine andere Ursache haben!   

Es wird vermutet, dass eine Überempfindlichkeitsreaktion auf bestimmte Nahrungsmittel und auch auf Streß und Belastungssituationen zu Fehlsteuerungen der Darmtätigkeit führt (Motilitätsstörungen). Auch die Ernährung (überreichlicher Genuss von versteckten Zuckeraustauschstoffen bei Sorbitüberempfindlichkeit!) kann für Reizdarm-Symptome verantwortlich sein. Nicht selten (in ca 17% der Fälle) lösen auch banale Infektionen lange anhaltende Störungen der Darmfunktion iS eines Reizdarmsyndroms aus. Pilzinfektionen spielen beim Reizdarmsyndrom keine gesicherte Rolle. Es sind derzeit auch keine Krankheitsbilder bekannt, die sich sicher auf eine Pilzbesiedlung durch z.B. Candida im Dickdarm zurückzuführen lassen.

In der Therapie ist zunächst ein Auslassen von Süßstoff dringlich angeraten, das dieser als nicht/schwer resorbierbares Kohlenhydrat Meteorismus oder Durchfall provozieren oder verstärkten kann; auch diätetische Rücksicht (nach Ernährungsprotokoll und Meidung von Zuckeraustauschstoffen, Milch/Milchprodukten etc) und symptomangepasste Maßnahmen (Perocur oder Mutaflor, Duspatal und/oder ein nicht blähendes Quellmittel wie Isomol oder Movicol etc.) sind ebenso wie durchfallhemmende/krampflösende Medikamente wie Mebeverin oder auch Loperamid mögliche Therapieoptionen. Für die Fälle mit chron. Obstipation steht mit Prucaloprid (Handelsname: Resolor) ein in diesem Fällen auch sehr wirksames Medikament zu Verfügung. Oft ist eine vollständige Rückbildung der Beschwerden aber nicht möglich.

Das Reizdarmsyndrom ist immer eine Ausschlussdiagnose: wichtige andere Erkrankungen, die ausgeschlossen werden müssen, sind zB Sprue, Laktasemangel, chronische entzündliche Darmerkrankung, mikroskopische oder kollagene Colitis, Dickdarminfektionen oder Dickdarmkrebs!

In der Bildleiste sehen Sie den Befund einer H2-Atemtestuntersuchung: x-Achse: Zeit in Minuten, y-Achse: H2-Konzentration (in ppm) in der Ausatemluft nach Laktulosebelastung (gelb), Laktosebelastung (pink) und Glukosebelastung (blau). Die hier abgebildeten Kurven sind typisch für einen Laktasemangel. Klicken sie auf die Graphik, um sie zu anzusehen und auf den Zurück-Button Ihres Brausers, um die Ansicht wieder zu verlassen.
2