Virusentzündungen der Leber

Entzündungen der Leber können zum einen durch Viruserkrankungen, zum anderen durch seltene nicht virale Erkrankungen verursacht werden. Die eigentlichen Virusentzündungen der Leber werden eingeteilt nach Großbuchstaben: Virus-Hepatitis A-E. Von Bedeutung sind in unseren Breiten die drei Entzündungen A bis C. Im akuten Beschwerdebild unterscheiden sich alle Virus-Hepatitisformen wenig. Ihre Unterscheidung ist ausschließlich möglich durch Blutuntersuchungen!

Die Virus-Hepatitis Typ A ist eine Kinderkrankheit, die aber auch Erwachsene noch betreffen kann. Die Infektion erfolgt über verunreinigte Lebensmittel (Salat mit „Naturdüngung“) oder auf verschiedenen anderen Wegen. In fast allen Fällen verläuft diese Virusentzündung gutartig und hinterlässt keinerlei Folgen am Organ. Die Beschwerden sind vergleichbar mit den Symptomen einer normalen Virusgrippe, wobei es aber als typisches Zeichen der Erkrankung zu Gelbverfärbung der Augen und auch der Haut kommen kann. Typischerweise tritt diese erst auf, wenn es dem Patienten bereits schon wieder besser oder sogar wieder ganz gut geht und wenn das oft begleitende Fieber schon rückläufig ist. Wenn die Erkrankung abgeklungen ist, hinterlässt sie einen dauerhaften Schutz vor neuer Infektion. Auch eine Impfung ist möglich: sowohl als passiver Schutz durch Antikörper (z. B. vor einer Fernreise), als auch durch aktiven Schutz (Provozierung der Antikörperbildung durch Infektion mit einem abgeschwächten, nicht krank machenden Virus). Der letztgenannte Schutz bedarf mehrerer Impfungen.

Gefährlicher ist die Virushepatitis Typ B. Die klinischen Beschwerden sind vergleichbar denen der A-Hepatitis, die Infektion erfolgt jedoch durch Blut oder Blutprodukte, durch Übertragung während der Geburt von Mutter auf Kind oder (selten) durch sexuellen Kontakt. Diese Form der Hepatitis verläuft in etwa 5% der Fälle chronisch, die anderen 95% der Fälle heilen folgenlos aus.

Der chronische Verlauf birgt die Gefahr der Entwicklung einer Leberzirrhose (siehe oben) und vor allem auch der Entwicklung eines Leberkrebses. Je länger die Infektion besteht und umso mehr Viren im Blut nachzuweisen sind, desto größer ist das Risiko einer Krebsentwicklung. Auch gegen die B-Hepatitis ist eine Impfung möglich in aktiver Form. Mehrere Impfungen bis zum wirksamen Schutz sind nötig. Bei chronischem Verlauf ist eine Heilung idR noch nicht (!) möglich! Die Behandlung der Hepatitis B mit Medikamenten, die die Virusvermehrung hemmen, zielt darauf ab, das Risko einer Leberzirrhose und vor allem einer Leberkrebsentwicklung durch Erniedrigung der Virusmenge (Viruslast) zu erzielen und ist oft ein Leben lang notwendig. Lamivudin war das erste Medikament, das hier zugelassen wurde. Es kommt allerdings nach längerer Behandlung mit dieser Substanz fast regelhaft zum Auftreten von Resistenzen. Neuere Substanzen (Nukleosit- und Nukleotidanaloga) sind jetzt verfügbar, mit denen die Möglichkeit einer Resistenzentwicklung deutlich reduziert werden konnte und mit denen viel länger eine effektive Behandlung möglich ist. Es bedarf insbesondere bei Vorbehandlung und schon eingetretener Resistenzentwicklung besonderer Sorgfalt bei der Auswahl der Medikamente und einer dann uU notwendigen Kombinationsbehandlung. Diese Behandlung gehört immer in die Hände eines in der Hepatitistherapie erfahrenen Gastroenterologen und muss regelmäßig hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und möglicher Nebenwirkungen kontrolliert werden. Auch Interferon ist für besondere Fälle von Hepatitis B zugelassen zur Behandlung.

Die Virus-Hepatitis Typ C ist in ihrem Verlauf uU auch für den Betroffenen bedrohlich: Die Erkrankung verläuft in den meisten Fällen chronisch und endet ohne Therapie – soweit dies bisher bekannt ist – in ca 10-30% der Fälle nach ca. 10-15 Jahren in einer Leberzirrhose (siehe oben) oder auch einem Leberkrebs. Die Infektion erfolgt durch Blut und Blutprodukte (besonders Drogenabhängige sind gefährdet!), seltener auch durch sexuelle Übertragung, aber häufig erfolgt die Ansteckung auch über andere, unbekannte Wege, sodass nicht selten eine Ursache der Infektion nicht herauszufinden ist. Eine Impfung ist nicht möglich.

Die Erfolgschance der Behandlung der Typ C-Hepatitis ist in den letzten Jahren revolutioniert worden dank der Einführung der sogenannten DAA (direct antiviral acting agents). Historisch sind seitdem alle bisherigen Behandlungen, die teilweise mit gravierenden Nebenwirkungen einhergingen. Interferon wird nicht mehr eingesetzt,  Ribavirin (ein Mittels zur Bekämpfung des Viruswachstums) nur noch in seltenen Ausnahmefällen. Mittlerweile stehen Kombinationspräparate (2 oder mehr Wirkstoffe in einer Tablette) zur Verfügung, deren Erfolgsraten von 92 bis zu 100% betragen. Die Nebenwirkungen sind drastisch geringer, und fast immer wird die DAA-Behandlung sehr gut vertragen. Es entstehen derzeit leider immer noch sehr hohe Kosten, allerdings senkt der Konkurrenzdruck der Pharmaunternehmen die Preise immer mehr!

Die Auswahl des Präparates ist heute auch kaum noch vom Genotyp abhängig (es gibt Präparate, die bei allen 4 bekannten Genotypen nahezu gleich gut wirken = pangenotypische DAAs); aber der Genotyp und v.a. das Vorliegen einer schon eingetretenen Leberzirrhose bestimmen die Dosis und Dauer der Behandlung (zwischen 8 und 12 Wochen, selten länger). Kontrollen während der Therapie sind idR nicht mehr erforderlich. Entscheidend ist die Erfolgskontrolle mit Bestimmung der Viruslast (HCV-RNA) 4-8 Wochen nach Therapieende.

Für die seltenen Therapieversager sind aufwendige Resistenzbestimmung in Speziallabors erforderlich, um auch ihnen noch eine Heilungschance durch eine dann ganz individuelle Therapie zu ermöglichen.

Jede Hepatitis-C-Behandlung  gehört in die Hände eines in der Hepatitistherapie erfahrenen Gastroenterologen.